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Lokale Geschichte
Die Bauern und Siedler bis ca. 1600 PDF Print E-mail

In der Zeit der Völkerwanderung war unsere Gegend dünn bis gar nicht besiedelt, die Bevölkerung ist ziemlich zurückgegangen, denn ein großer Teil, die kelto-romanische Bevölkerung, hat sich nach Italien zurückgezogen (ab 482 andere Quellen 488 nach Befehl von König Odoaker). Zum Teil sind dies bereits romanisierte Germanen und Kelten oder Siedler aus Italien eventuell auch aus Byzanz. Das Gebiet um Übelbach weist auch Namensgut vermutlich keltischen Ursprungs auf und daher ist zu vermuten, dass dort Menschen lebten, die sich der Romanisierung entzogen hatten oder von dieser gar nicht wirklich erreicht wurden.

Um 600 ziehen dann in diese fast unbewohnten Gebieten die Karantanen (ein Slawenvolk auch Alpenslawen genannt) und finden bebaubaren Grund und Boden vor und besiedelten ihn. Sie hatten offensichtlich freie „Platzwahl“. Sie dürfen und können das, weil es ihnen die Awaren erlauben.

Die Karantanen rufen später gegen die Awaren aber wieder die Baiuwaren (auch manchmal Bajuwaren geschrieben) zu Hilfe und werden aber von diesen unterworfen bzw. haben sich diesen untergeordnet. Die Baiuwaren kennen als Organisationsform das Lehenssystem, dass tausend Jahre die Gesellschaft prägen wird und in das bis zur Abschaffung fast alle meine Ahnen eingegliedert waren. Der Kaiser vergibt Land als Lehen an seine Untergebenen und diese an ihre und diese wieder an ihre bis zum Grundherren. Der Grundherr setzt seinen Untertan als „Be-bauer“ ein, indem er Ihnen ein Stück Land zuteilt.

Bei uns wurden sowohl slawische Adelige als auch neu hinzukommende germanische Adelige als Herren eingesetzt. Die germanischen Grundherren waren insbesondere in unserer Gegend mit der Nutzung ihres Grundes nicht zufrieden und holten sich aus dem dichter besiedelten Bayern, Franken und Schwaben Siedler denen sie ein Stück Land zuteilten, das diese dann erst bebaubar (urbar) machen mussten. Es entstehen in Waldgebieten richtige Rodungsinseln, wie sie heute im Freßnitzviertel oder in Semriach besonders aus der Luft noch immer schön zu sehen sind. Zum Beispiel beim Weißegg haben wir die Rodungsinsel vulgo Kampl und Handl sowie Hornisbauer (Nießbauer) und Rohuber (Weißeggerhof).

Die Zuwanderung deutschsprachiger Siedler wurde durch Einfälle anderer Völker aus dem Osten immer wieder unterbrochen und östlich vom Schöckl wurde Infrastruktur, Herrschaften und Dörfer zerstört. Die Magyaren und die Nomaden- und Steppenvölker dürften nicht siedelnd bis ins diese Familiengeschichte betreffende Gebiet vorgedrungen sein. Die Einfälle führten allerdings dazu, dass vermehrt in zuvor schwer zugänglichen Gebieten auf Anhöhen und Hängen gesiedelt wurde (Rannach, Leber, Hohenberg, Zösenberg, Jasen, ...). Sehr viele von unsere Ahnen werden noch 900 Jahre später in diesen Gebieten leben. Ab ca. 1050 mit der Sicherung der Ostgrenze bis ins 13. Jahrhundert war dann die letzte baiuwarische Besiedelungswelle und viele aber auch die letzten großen Rodungen haben bis dorthin stattgefunden. Und so wie es aussieht, dürften von da an bereits alle unsere Ahnen hier in der Umgebung gelebt haben.

Die heutigen Ortsbezeichnungen sind fast alle aus dieser Zeit und sind so Zeugen dieser Landnahme. Die germanischen und karantanischen Siedler dürften friedlich und gut miteinander ausgekommen sein. Das war sicher durch die Zuteilung des bebaubaren Landes durch die Grundherren begünstigt. Slawische und germanische Ortsnamen existieren nebeneinander: Präbichl Ortsteil in Semriach heißt Windhügel und liegt neben dem heutigen Ortsteil Windhof (von germanisch Windhab also auch Windhügel) und die beiden Bauernhöfe in der Nähe einer Brücke am Schöckl-Westhang sind der vulgo Möstl (slawisch Most=Brücke) und der vulgo Prigger (vom deutschen Wort Brücke). Das ganze Gebiet wurde mit kleinen Burgen in Sichtweite überzogen, so dass jede Burg mindestens zu einer anderen sehen konnte. Ortsnamen slawischer Herkunft werden ohne weiteres übernommen und werden bis heute verwendet. Bezeichnungen werden aus einem slawischen und einem germanischen Wortteil neu erfunden: vulgo Bodlos ist von germanisch Boden und slawisch Rodung und meint am unteren Ende einer Rodung. Vielleicht war die Bevölkerung über längere Zeit zweisprachig oder slawische Worte haben sich sehr lange gehalten und Deutsch war nur die Amtssprache. Manchmal kann man auch ein Wort slawischen Ursprungs hören, wobei aber nicht gesichert ist, ob dies schon über Generationen weiter gegeben wurde, oder ob es von den Fremdarbeitern im Krieg übernommen wurde.

Ein weiterer Hinweis für das friedliche Miteinander ist auch, dass die Herrschaften kleiner Einheiten zur Verwaltung ihres Besitzes sogenannte „Ämter“ eingeführt haben und dass der Leiter dieser Ämter vereinzelt noch Jahrhunderte später als „Suppan“ bezeichnet wurde. Der Suppan war bei den Slawen der Chef kleiner Einheiten und der Vertreter der slawischen Fürsten unmittelbar bei den Untertanen. Außerdem wurde der slawische Adel voll anerkannt und integriert und so stark mit dem germanischen vermischt, dass er in diesem voll aufgegangen ist. Noch im 12. Jahrhundert galt unterschiedliche Gerichtsbarkeit, Rechtssprechung oder andere Abgaben für Bauern slawischer Abstammung und Nachkommen germanischer Siedler. In der Praxis sah dies so aus, dass slawische Bauern dem Nachkommen ihres slawischen Fürsten dienten und der Nachbar germanischer Abstammung seinem germanischen neu ins Land gekommenen Grundherrn, wodurch in den Gebieten in denen schon Slawen gesiedelt haben, keine flächendeckenden Gebiete einzelner Grundherrschaften existierten, wie sonst wo üblich.

 

Last Updated on Monday, 24 May 2010 09:44
 


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