Privat

Stats

Content View Hits : 26785

Impressum

Copyright © 2020 Preitler Hans Ahnenforschung. All Rights Reserved.
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.
 
Schrift
PDF Print E-mail

Es ist spannend zu beobachten, dass neben dem Kurrent, dass hauptsächlich verwendet wird, von einzelnen Pfarrern besonders wichtige Worte doch in lateinischen Buchstaben geschrieben wurden. Das Kurrent des 20. Jahrhunderts, das unsere Eltern noch gelernt haben, ist auch eine Weiterentwicklung (zum Teil auch durch Normierung) über Jahrhunderte, so dass auch das Kurrent des 17. und 18. Jahrhunderts für unsere Eltern schwieriger zu lesen ist.

Daher ist es durchaus hilfreich, sich entsprechende Buchstabentafeln zu zulegen. Leider habe ich keine offiziellen Tafeln auftreiben können, vermutlich gibt es so etwas auch gar nicht.

Aber sehr brauchbar ist das bereits oben erwähnte Handbuch „Tipps für Familienforscher in Österreich“. Es enthält für mich die bisher brauchbarsten Tafeln mit Kurrentschrift­zeichen in österreichischen Matriken.

Wer dazu nicht kommt kann sich mit den ohne Quellenangabe ins Internet gestellten Tafel auf members.chello.at\schildkrot\ahnen\kurrent.html auch gut behelfen.

Weiterführende Hilfen sind im Internet auch interaktive Übungen zum Lesen von Kurrent (oder Sütterli-Schrift = normiertes Kurrent in Deutschland) und Beispieltexte mit Übersetzungen.

Außerdem gibt es im älteren Kurrent auch spezielle Sonderzeichen. Eines sieht wie ÿ oder wie aus. Dieses dürfte bedeuten, dass der vorhergehende Vokal lang gesprochen wurde. Daher ist Paÿr nichts anderes als Paar oder Kaÿr ist Kahr. Mit e zusammen, dürfte der Buchstabe eher einem heutigen ei entsprechen. So finden wir Preidler auch als Preÿdler geschrieben. Daher kann ein Paÿr durchaus auch als Pair oder Paier oder gar Baier später geschrieben sein.

Besonders viele Varianten gibt es bei s. Ein Relikt davon ist unser scharfes ß. Ein anderes s wurde nicht unähnlich dem heutigen p geschrieben, allerdings nicht so bauchig und ohne Ringerl am Ende, ein anderes ist dem griechischen Sigma ähnlich.

Manchmal tauchen über den Vokalen a und e Doppelpunkte auf. Ich vermute, dass dies bei a nicht das heutige ä bedeutet, sondern dass dies in lateinischer Schrift ein a ist oder das dies auch ein Zeichen dafür war, dass das a länger gesprochen wird.

Es gibt keine einheitliche Verwendung von Abteilungszeichen. Entweder wurden die nächste Silbe ohne etwas in der nächsten Zeile weiter geschrieben oder ein wilder „Haken“ nach unten mit angedeuteter Schlaufe nach links sollte andeuten, dass es in der nächsten Zeile weitergeht. Fataler weise schreiben manche eine der vielen Varianten von s auch so. Die Endungen von bekannten Worten, wie bei Artikeln wurden auch meist irgendwie verkürzt und man muss manchmal raten.

Die Anfangsbuchstaben sind auch eine Wissenschaft für sich, da für Laien nicht ersichtlich ist, welche die wesentlichen Striche und welche nur Verzierungstriche sind. Diese kann man teilweise nur entziffern, indem man gezielt bekannte Worte sucht oder nach schaut ob das Wort nochmals vorkommt (z.B. Familienname der Braut kommt ohne „schönen“ Anfangsbuchstaben beim Namen des Vaters in normalem Kurrent nochmals vor.)

Schwierigkeiten bereitet auch das enge Schreiben. Schwungvolle Großbuchstaben und Unterlängen vermischen sich oft und es ist mühevoll zuerst heraus zu finden, welche Linie zu welchen Buchstaben in welcher Zeile gehört. Die Tinte führte zusätzlich zu „Klecksen“, meist beim e und so ist es manchmal schwierig e und r auseinander zu halten. Schlechtes Papier kann auch Tinte auf die andere Seite durchlassen.

Bei Einträgen in lateinischer Sprache wurde auch mit lateinischen Buchstaben und nicht in Kurrent geschrieben, wobei sich diese lateinische Schreibschrift auch von unsere Schreibschrift teilweise unterscheidet.

 

 

Last Updated on Saturday, 12 June 2010 17:33
 


Forum