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Die Bauern im Lehensystem
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    Gesellschaftliche Position der Bauern

Die Bauern, die unsere Ahnen sind, darf man sich (mit einer einzigen Ausnahme) nicht wie in den Heimatfilmen als stolze Herren auf stattlichen Höfen und als reichere Bevölkerungsschicht vorstellen. Bis 1848 waren sie nicht ihre eigenen Herren, sondern es gab eine Form der „Leibeigenschaft“ mit eigenem Besitz, Abgaben und zu erbringender Arbeitsleistung. Die Bauern wurden zwar als Besitzer bezeichnet, aber wie dies zu verstehen ist, wird weiter unten beschrieben.

Im Gegensatz zur bäuerlichen Bevölkerung galten Bürger als frei und der Bauer war gesellschaftlich schlechter gestellt. Obwohl in den Bürgerrechten seit 1848 gleichgestellt, erscheint mir heute manch peinliches Verhalten in einem anderen Licht: zum Beispiel der Handkuss, nicht der galante eines Herrn bei einer Dame, sondern der einer Person, bäuerlichen Ursprungs, beim Arzt oder gar beim Enkelkind, das einen akademischen Grad erreicht hat. Ich vermute solches Verhalten kann so stark eingeprägt sein, dass diese Person gar nicht weiß warum sie es tut, und es ihr womöglich im Nachhinein sogar selbst peinlich ist.

In der heutigen „bürgerlichen“ Schicht gibt es noch genug abfällige Bezeichnungen wie: „Der ist ja nur ein Bauer!“ oder „Du Bauer!“ und die Problematik – in den Medien auch noch als „Bauer sucht Frau“ ausgeschlachtet -, dass Bauernsöhne sich heute schwerer tun mit heiraten, hat nicht nur mit der vielen Arbeit zu tun, sondern es wirkt hier sicherlich unbewusst und unbegründet auch noch hinein, dass eine „Bürgertochter“ doch nicht einen Nachkommen von „Unfreien“ heiraten will.

    Die Grundherren der Bauern

Das gesamte ländliche Gebiet insbesondere des heutigen Gratkorn, Semriach oder Deutschfeistritz hat verschiedensten Grundherren gehört. Dies waren für Gratkorn bis zu 17 verschiedene „Herrschaften“. Dazu gehörten Rabenstein, Pfannberg und Ruhefeld aus Frohnleiten, Peggau, Gösting, Messendorf (Hintenfeld), Waldstein, Stift Rein, Stift Vorau (Burg und Amt Peggau), ... . Die ursprünglich, wie oben schon geschildert, nicht geschlossen zu einer Herrschaft gehörenden Gebiete, wurden mit der Zeit durch notwendige Verkäufe wegen wirtschaftlicher Probleme, durch Schenkungen und Stiftungen an Pfarren und Klöster und gegenseitigen Kauf oder Tausch auf viele Grundherren noch weiter aufgeteilt. Anders in Gratwein, Stübing, Übelbach wo es geschlossene Gebiete zur Herrschaft Gösting, Waldstein und des Stiftes Rein gibt. Von Waldstein ist bekannt, dass die dortigen Herren gezielt flächendeckende Gebiete durch Kauf und Tausch erzielt haben. Zu Rein dürften wiederum sehr viele neue Rodungsgebiete gehört haben, die erst geschaffen wurden und daher auch zusammenhängen.

Die Herrschaften haben über ihren Besitz Bücher geführt (Urbare). Der Begriff Urbar meint durchaus, dass Gebiete bewirtschaftet und kultiviert wurden also „urbar“ gemacht wurden. Im Urbar steht also, wer was wo und ab wann oder zu welcher Zeit „bebaut“ hat und was er dafür seinem Grundherrn geben muss. Diese Urbare befinden sich im Landesarchiv bzw. sind dort erfasst und können soferne dort vorhanden auf Anfrage zur Einsicht ausgehoben werden. Die Urbare vor 1730 von Waldstein hingegen befinden sich noch in der Forstverwaltung Waldstein. Die Schwierigkeit dabei ist die Zuordnung zum tatsächlichen geografischen Ort. Dazu mehr unten.

Die Grundherren waren aber nicht nur wirtschaftlich die Herren der Bauern, sondern auch in Bezug auf die Rechtsprechung. Diese war dann natürlich im Interesse des Grundherrn und so gab es unter anderem keine freie Wahl des Wohnsitzes, Heiraten mussten erlaubt werden, aber auch die Verbote sich durch Jagen oder Fischfang zu ernähren.

    Der Besitz der Bauern

Wer als Bauer ein Stück Land zugeteilt bekam und übernahm, ging also eine rechtliche Verpflichtung gegenüber seinem Grundherrn ein, wurde so etwas, was man durchaus als Leibeigener oder Unfreier bezeichnen kann. Dies hört sich heute vielleicht schlimm an, war aber immerhin noch viel, viel besser als nichts zu „besitzen“. Die Bauern wurden wiederum in Großbauern, Ganzbauern, Halbbauern, Viertelbauern und sogar Achtelbauern unterteilt. Die Bezeichnungen Ganz-, Halb- usw. bezog sich ursprünglich darauf, wie viel Grund und Boden ein Bauer zu bewirtschaften hatte. Als Einheit dafür wurde der Begriff Hube verwendet und von einer Hube konnte ein Bauer mit seiner Familie leben. Dies verstand man ursprünglich als Ganzbauer. Interessant dabei ist auch, dass ein „slawische“ Hube kleiner war, als die für die neuen Siedler, da sie in einer besseren Lage waren (und auf besseren Boden?). Allerdings waren auch die Abgaben für die alteingesessenen Slawen geringer.

Großbauern mit mehreren Huben gab es im Gebiet von Gratkorn für die betreffende Zeit nicht. Im heutigen Großstübing hingegen, gab es einige Besitzungen von Rein (fast alles spätere Rodungen), die zu Großhuben zusammengefasst wurden und dies hängt sogar damit zusammen, dass das historische „Stübing“ heute Kleinstübing und historisch „in der Stübing“ heute Großstübing heißt.

Bauern, die weniger als Ganzbauern waren, mussten sich ihren Lebensunterhalt durch zusätzliche Arbeit beim Grundherrn oder anderen Bauern oder durch ein vom Grundherrn zugeordnetes Gewerbe (z.B. Halbbauer und Schmied) verdingen.

Später hat sich dies etwas gewandelt und eine Hube wurde an der Arbeitszeit gemessen, nämlich an Manntagen, die für die Bewirtschaftung notwendig war und schlussendlich war es hauptsächlich ein Maß für die zu erwartenden Abgaben an den Grundherren oder in anderen Gebieten für die Höhe der Besteuerung. Bemerkenswert für unser Gebiet ist, dass es hier überhaupt so etwas wie Achtelbauern gab, da es in anderen Regionen unterm Viertelbauern nur mehr Keuschler gab. Keuschler hatten bei uns auch eigenen Grund und Boden, aber zu wenig, als dass sie dafür Abgaben entrichten mussten und arbeiteten hauptsächlich als Knechte auf Bauernhöfen oder für den Grundherrn. Ich vermute aber, dass es aufgrund der Achtelbauern in unserem Gebiet nicht die soziale Ausgrenzung der Keuschler gab, dass Kinder von Keuschlern keine Bauern heiraten durften. Aber es gab zumindest eine abgeschwächte Form dieser und weiterer sozialer „Heirats-“regeln und dies erklärt zumindest teilweise, dass unsere Ahnen fast alle Bauern sind.

Dass diese Einteilung in Bauern und Keuschler fließend gewesen sein dürfte, ist daran zu sehen, dass im Gegensatz zu den Pfarrern in Gratkorn, die auch noch Achtelbauern als solche bezeichneten, die Pfarrer in St. Veit nur von Bauern und Keuschlern sprechen und ich nicht glauben kann, dass es so wenige Bauern und so viele Keuschler gab. Wo diese Pfarrer die Grenze zogen, oder ob dies eher willkürlich war, habe ich noch nicht ausgeforscht. Ohne jetzt noch die Besitzerlisten für das Gebiet von St. Veit geprüft zu haben, wage ich vorerst zu behaupten, dass alle unsere St. Veiter Ahnen, die als Keuschler in den Matriken angeführt sind, zumindest Achtel- oder Viertelbauern waren.

    Die Rechte der Unfreien

Darüber, wie diese Bauern zu ihren Grundherren standen, ist mir leider für unsere Ahnen auch nichts genaueres bekannt. Daher eine etwas allgemein gehaltene Darstellung, basierend auf dem, was für Frohnleiten galt (Othmar Pickl: 700 Jahre Marktgemeinde Frohnleiten). Dies dürfte schon deswegen für Gratkorn auch gelten, weil hier die Herrschaften von Rabenstein und Pfannberg bzw. Peggau sehr wichtig waren.
Die Bauern konnten ihren Wohnsitz oder Wunschbauernhof nicht wählen und einmal zugeteilt, waren sie gebunden und entsprechend, der für diesen Besitz festgelegten Regeln zu den Abgaben und Dienstleistungen verpflichtet. Die ursprüngliche Form, dass der Grundherr beliebig vergeben und zurücknehmen konnte, wurde wahrscheinlich für die diese Nachforschungen betreffende Zeit und Bauernhöfe nicht gelebt, denn die Grundherren machten rasch die Erfahrung, dass diese Bauernhöfe extrem schlecht bewirtschaftet wurden und schlecht erhalten wurden. Außerdem dürften die slawischen Bauern von Anfang an aus Gründen des sozialen Friedens mit sehr vielen Rechten gegenüber ihren Herren im neuen Lehenssystem (im alten System waren sie ja vermutliche „frei“) ausgestattet worden sein und um nicht zu große Ungleichheit und Unzufriedenheit zu stiften aufgrund dieser besseren Situation ihrer slawischen Nachbarn, dürften die germanischen Siedler auch schneller und leichter zu Rechten gekommen sein, als in ihren Stammländern. Daher wurden den Bauern Rechte eingestanden, wie lebenslanges Bleiberecht (Leibgeding-Recht), Erbrecht oder Kaufrecht (Erbe musste dem Grundherrn eine Abgabe bei Übernahme entrichten) oder gar Verkaufsrecht. Manchmal mussten diese Rechte auch erst dem Grundherren abgekauft werden. Dies dürften aber für unser Gebiet, die wesentlichen Rechte gewesen sein, die Bauern erhielten. Und da es die meisten Bauern, um welche es hier geht, schwieriges Gelände bewirtschafteten, haben sie sicherlich all diese Rechte zur Zeit, als die Pfarrer mit den Matrikenaufzeichnungen begonnen haben, schon gehabt. Im Mittelalter werden Bauern mit diesen Rechten auch als Halbfreie oder Holde bezeichnet, und das wurde dann durchaus so verstanden, dass beide - Herr und Bauer - zueinander Rechte und Pflichten hatten. Der Herr Schutz und Schirm, der Holde Treu und Gehorsam. Ein guter Grundherr war natürlich daran interessiert, dass es seinen Untertanen gut ging und dass ein Betrieb nicht zugrunde ging, weil eine Arbeitskraft durch einen Unfall ausfiel. Denn nur gut wirtschaftende Bauern garantierten auch langfristig gute Erträge für den Grundherrn.

Dass dieses System noch heute Auswirkung hat manifestiert sich in dem Bedürfnis nach einen „Landesvater“ oder einer „Landesmutter“ oder im Vertrauen, dass die zuständigen Politiker, „das schon wieder richten werden“.

Anderswo konnten sich Bauern ganz von ihren Grundherren frei kaufen und mussten dann nur mehr dem Land Abgaben entrichten. Dies waren dann wirklich freie Bauern, aber solche waren bei uns sehr, sehr selten. Aber zumindest der spätere Begriff „Besitzer“ statt „Holder“ scheint durch die doch vorhandenen Rechte somit gerechtfertigt. Manchmal ging die Initiative auch vom Grundherrn aus, wie in St. Veit um 1600 dokumentiert, wo die Winzer das Pergrecht erhielten und nur mehr Gelddienst entrichten mussten. Die Pergholden erhielten ihre Rechte aber wegen der Klimaverschlechterung und viele von diesen Besitzungen endeten als Keusche oder mussten ganz aufgeben.

Für das Erben hat es anscheinend Regeln gegeben. Bis jetzt kenne ich nur die Regel, dass wenn kein Sohn da ist, die jüngste!!! Tochter das Erbe antritt. Das Erbe schien sich nicht nur auf Sohn oder Tochter zu beschränken, auch Neffen scheinen auf. Allerdings stellt sich aus der nach 1848 üblichen Praxis, dass solche Neffen adoptiert wurden, die Frage, ob dies nicht auch vor 1848 Voraussetzung war um zu erben bzw., dass diese Praxis fortgesetzt wurde, obwohl sie 1848 nicht mehr wirklich notwendig war. (Jahrhundertealte Regeln lassen sich nicht so einfach abstellen). Wegen des Kaufrechts und des Verkaufsrechts gibt es auch entsprechende Einträge über solche Verkäufe in den Urbaren der Grundherren. Daher ist auch die Abgabepflicht nicht als eine Personenabgabe, sondern als eine für den zugeteilten Besitz zu sehen.

Im lokalen Sprachgebrauch wurde mit Hube, ein sehr einfacher Bauernhof, eventuell sogar schlecht erhalten, bezeichnet. Dies könnte durchaus daher kommen, dass die Grundherren eingegriffen haben, wenn ein Bauernhof schlecht bewirtschaftet wurde und er diesen daher tatsächlich dann neu vergeben hat. Auch ein Bauernhof, wo die Besitzer ausgestorben sind und dann zur Neuvergabe an den Grundherrn zurückgefallen ist, könnte dadurch, dass die alternden Besitzer nicht mehr so gut darauf schauen konnten, bei der Neuvergabe ziemlich verwahrlost gewesen sein. Es könnte zudem sein, dass wer eine „Hube“ erhalten hat, zu arm war um einen „Bauernhof“ zu „kaufen“.

    Das Wirtschaftssystem und die Abgaben

Der den Bauern zugeteilte Grund hieß Rustikalland. Der Grund, der im direkten Besitz des Grundherren blieb, war das Dominikalland. Auch die Ganzbauern mussten dort arbeiten (Robot leisten). Um 1750 waren dies für die Bauern des Freßnitz- und Forstviertels 3 Monate jährlich. Die Herrenhöfe auf denen die Grundherren oder deren Verwalter saßen, waren jeweilige Zentren des Wirtschaftssystems. Über das Abgabensystem haben die Grundherren meist mitbestimmt, was neben der Ernährung der Familie angebaut werden musste und welche Tiere gehalten werden mussten oder durften. Die spätere teilweise Umwandlung von Naturalzins in Geldzins lässt dann aber doch eine gewisse Selbstbestimmung beim Anbau am eigenen Boden und eine Selbstvermarktung der Produkte vermuten.

Und natürlich gab es von den Bauern auch noch andere Verpflichtungen zu erfüllen, denn nur sie hatten in ländlichen Gebieten etwas, wovon sie etwas hergeben mussten. Da war einmal ihr Anteil an der Infrastruktur, am Verkehr. Sie waren also für die Wege und Straßen zuständig. An die Kirche waren auch Abgaben zu entrichten: Naturalabgaben und der Kirchenzehent.

Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage, wie sehr sich die Bauern selbst als Unfreie gefühlt haben und wie weit ein bäuerliches Selbstbewusstsein vorhanden war.

Bürger, Bauer, Edelmann und deren reiche Kinderschar

Das Lehenssystem und die Abgeschiedenheit mancher kleinerer Märkte wie Semriach oder Übelbach brachten es durchaus mit sich, dass die Grenzen zwischen Bürger, Bauer und Edelmann nicht starr waren. Verdiente Personen aus dem Bauernstand oder Bürger konnten aufgrund von Verdiensten mit einem Lehen in den Adeligenstand befördert werden. Ich habe einen Fall genauer angeschaut, wo sogar ein ganzer Stammbaum edler Abstammung dazu erfunden wurden um dies zu legitimieren, nämlich bei den Jöchlinger von Jochenstein, die von 1599 – 1736 die Herren von Pfannberg waren. Umgekehrt wurden Nachkommen von Adeligen, die in der Erbfolge nicht zum Zug gekommen sind und nicht standesgemäß verheiratet werden konnten (niedriger Adel) Bauernhöfen gegeben und sie wurden Bauern oder sie studierten oder erlernten eine Beruf und wurden Bürger. In den kleineren Märkten war die Grenze zwischen Bürger und Bauern auch fließend, denn um sich und die Familien zu ernähren gab es manchmal nicht genug Verdienst sich alles zu kaufen und Bürger mussten selbst auch Land bebauen. Andererseits konnten Bauern wegen freier Bürgerhäuser im Markt zum Bürger aufsteigen. Eine gewisse Rolle im Auf- und Abstieg zwischen Bauern und Grundherrn spielte hier auch der Amtmann, der entweder ein verdienstvoller Bauer oder ein Angehöriger des niedrigen Adels sein konnte.

Die Familien waren im Schnitt aus heutiger Sicht sehr kinderreich. Es stimmt schon, dass das eine oder andere Kind gestorben ist, oder dass es Epidemien gegeben hat. Aber geht man seine Ahnen durch und schaut wie viele Geschwister diese hatten, ist es noch immer nicht erklärbar, warum die Bevölkerung nicht rascher angewachsen ist, über 700 Jahre nur ganz langsam zugenommen hat.

Wenn man aber die Geschichte der Geschwister anschaut, dann wird dies verständlicher. Bei den Adeligen führte nur einer die direkte Linie weiter, nur ein Kind des Bürgers konnte den Betrieb des Vaters übernehmen, nur ein Kind des Bauern den Hof. Einige haben standesgemäß geheiratet.

Töchter von Bauern konnten nur von ihren Eltern „erben“, wenn kein Bruder da war und solange der Vater lebte war es möglich, dass die Mutter stirbt und der Vater nochmals heiratet und einen Sohn zeugt. Daher mussten Töchter darauf hoffen, dass sie von einem Bauern geheiratet wurden und deren gab es nicht viele. So kommt es, dass die meisten Töchter, die einen Hof erben, oft die jüngsten sind. Weiters sieht man an diesen Umständen auch, dass manch blutjunge Frau einen wesentlich älteren Witwer heiratet, oder einen älteren Mann, der sehr spät doch noch zu einem Besitz kommt. Manchmal heiraten diese Frauen nach dem Tod ihres alten Mannes einen gleich alten oder jüngeren Mann. Es gibt aber auch reifere Frauen, die es schaffen, von einem jungen Bauernsohn geheiratet zu werden. Deren erstes Kind kommt dann zwei bis vier Monate nach der Hochzeit auf die Welt oder es gibt schon ein uneheliches gemeinsames Kind.

Bei den Söhnen gibt es viele Fälle, wo nicht der älteste den Hof übernimmt. Dies ist der Fall, wenn er (oder sein Vater für ihn) ein anderen eventuell besseren Hof erwerben konnte, oder er eine Hoferbin eines gleichwertigen oder besseren Hofs heiraten konnte. Es gibt aber auch Fälle, dass jüngere Brüder den Hof erben konnten, weil sie schneller beim „Kinder machen“ waren (um Schande abzuwehren? / damit das Kind eine Familie bekommt? ) und nur die heiraten konnten, die auch Besitz hatten. Einen seltenen Fall habe ich auch gesehen, wo der ältere nicht erbt und der Sterbeeintrag dann Klarheit bringt, dass er dazu nicht fähig war, denn der Pfarrer schreibt ohne Respekt „ein blödsinniger Sohn des ...“. Hat nun ein Sohn bereits das Erbe angetreten, blieb für die anderen nur auf eine Hoferbin oder Witwe zu hoffen. Manchmal hat der Altbauer nach der Hofübergabe noch einen anderen Hof erworben, dann gab es für die verbliebenen Söhne noch eine Chance und sei es erst im hohen Alter.

Und die, die nicht untergebracht werden konnten, erlebten eine sozialen Abstieg: Bauernkinder mussten sich als Knecht oder Magd verdingen, oft bis an ihr Lebensende am Hof des Bruders oder wenn dies nicht ging bei einem anderen Hof in der Umgebung, aber auch Adelige wurden Untertan ihres Bruders, Bürgerkinder wurden Dienstboten oder blieben Gesellen. Und davon die meisten in Erwartung, ob vielleicht doch noch eine Chance zum Heiraten kommt. Ich habe es nicht statistisch ausgewertet, aber es ist offensichtlich, dass die, die ledig bleiben mussten, auch tatsächlich wesentlich seltener Kinder bekommen haben. Und diese ledigen Kinder waren meist auch schlechter dran als ihre ehelich geborenen Verwandten und haben wesentlich seltener das Erwachsenenalter erreicht um dann womöglich das Schicksal ihrer unverheirateten Eltern selbst auch wieder zu erleiden.

In der Tat ist es so, dass fast alle unsere Ahnen aus Ehen stammen oder ihre Eltern später geheiratet haben. Bis jetzt trifft dies nur bei vier Ahnen nicht zu und davon ist nur einer vor 1848 geboren und dieser hat es geschafft Bauer zu werden.

Daher gibt es bei den Ahnen auch fast ausschließlich nur Bauern und selten jemand, der einen sozialen Aufstieg geschafft hat.

Bei den Adeligen war es so, dass die nicht als Erster geborenen Männer bestenfalls als Amtmann mit einem schönen Bauernhof Untertan ihres Bruders wurden, oder Maier wurden. Deren Nachkommen vermischten sich bald mit der Bevölkerung und das Wissen um eine adlige Abstammung ging in den meisten Familien dann auch verloren. Dies macht Ahnenforschung besonders reizvoll, da man mit hoher Wahrscheinlichkeit auf adelige Ahnen stoßen wird. Bei den zahlreichen Nachkommen der Adeligen gibt es auch zahlreiche Priester und Nonnen.

Tendenziell findet man je weiter man zurückgeht mehr Ahnen, denen es gut gegangen sein dürfte und eventuell stößt man auf Bürger oder über niedrigen Adel auch irgendwann auf adelige Ahnen.

 

Last Updated on Saturday, 12 June 2010 08:38
 


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